Was jetzt kommt ist wirklich die Hoehe
Mein Puls geht zu schnell ,ich muss ihn nicht erst ertasten, ich hoere ihn in meinem Kopf.
Verdammt ich brauche eine Pause,die Sonne knallt mir auf den Schaedel und der Schweiss rinnt mir in Stroemen.
Wasser ja Wasser sollte ich trinken,eine kleine Pause um etwas Wasser zu mir zu nehmen.
Ah welche Wohltat den Rucksack abzusetzen und welche Wonne die kuehle Fluessigkeit aus der Flasche in die Kehle rinnen zu lassen.
Arg kein groesser Felsen hier der etwas Schatten spenden koennte und die Sonne knallt noch immer und mir schmerzt noch immer der Kopf.
Schmerzt mein Kopf jetzt auf Grund der staendigen Sonnenbestrahlung oder leide ich bereits an der Hoehenkrankheit?
Verdammt ich haette nochmal im Internet nachschlagen sollen: Anzeichen fuer Hoehenkrankheit.
Aber Kopfschmerzen zaehlen bestimmt dazu - Kopfschmerzen zaehlen eh immer und bei allem dazu.
Also ist es auch nicht auszuschliessen das ich mir vielleicht nen Sonnenstich eingefangen habe - auch wieder sowas mit Kopfschmerzen inklusive,und bei der knallenden Mittagssonne waere das keine Kunst.
Aber wenn ich recht ueberlege gings mir gestern Abend nach dem halben Liter komischen Pulver-Orangensafts den sie im Camp1-Restaeurant-Zelt ausschenkten schon uebel.
Naja und die Nacht habe ich vor lauter Kopfdroehnen kein Auge zu getan und das ich heute Morgen beim Fruehstueck keinen Appetiet hatte und
mir gerade so ein Marmeladenbrot und eine halbe Tasse Tee reinzwengte schob ich bis jetzt noch auf die Spaetfolgen des ekligen Pulver-Orangensafts -wuerg-
Mh doch alles Anzeichen fuer Hoehenkrankheit ?
Ach Quatsch ich kann wieder Atmen und das Pochen in den Schlaefen hat aufgehoert - also weiter.
Verdammter Rucksack war der vorhin auch schon so schwer?
….
So ging es zu in meinem Kopf waehrend des Aufstiegs von Camp 1 zu Camp 2.
Ein spaeterer Blick ins Internet bestaetigte meine Annahme - hatte ich doch tatsaechlich mit den ersten Fruehzeichen einer Hoehenerkrankung zu kaempfen als Resultat eines zu schnellen Aufstiegs und unzureichender Aklimatiesierungszeit.
Aber wir hatten ja auch nur 3 Tage um soviel Eindruecke zu sammeln wie moeglich denn die Aufenthaltsdauer am Aconcagua muss man vorher angeben (und bezahlen) ,wenn man diesen angegebenen Zeitraum 48 Stunden ueberschreitet werden die Suchtrupps losgeschickt.
Fuer einen kompletten Aufstieg sind 15-20 Tage notwendig wobei die meiste Zeit fuer die Aklimatisierung draufgeht.
Wir trafen auf ein Expeditionsteam welches allein in Camp 1 bei 3300 Hoehenmetern mehrere Tage verbrachte bevor es weiter zog.
Unser Zeit- und vorallem Geldrahmen war etwas knapper bemessen und so reichte es nur fuer 3 Tage und nur fuer einen Aufstieg bis 4500 Hoehenmeter (Angaben in Bergsteigerkarten und Webseiten schwanken von 4100 m bis 4700 m) .
Tag 1 von Punta del Inca (2730 m) zu Camp 1 mit Namen Confluencia (3300 m) - Uebernachtung - Tag 2 zu Camp 2 mit Namen Plaza de Francia (4500 m) - Uebernachtung - Tag 3 kompletter Abstieg zu Punta del Inca.
Von Punta del Inca bis Plaza Franzia sind es ungefaehr 26 Kilometer mit ungefaehr 1700 Meter Hoehenunterschied.
Fanden wir noch in Confluencia ein grosses Zeltlager mit einigem “Komfort” vor, so gab es dagegen in Plaza de Franzia nur noch die absolute Stille, den Gipfel direkt vor Augen und zu den Fuessen ein grosser Gletscher. Nur 2 kleine Gipfel-Expeditionen hatten dort ihre Zelte aufgeschlagen und so standen dort mit unserem nur 5 einsamme Zelte.
Mit der Stille war es jedoch vorbei als ploetzlich aus dem Zwielicht der Daemmerung eine Gestalt aus Richtung der Bergspitze auftauchte und auf uns zuwankte.
Ausser Atem, eingepackt in dicken Jacken,die Nase und Teile des Gesichts verschorft oder erfrohren steht ein argentinischer Bergsteiger vor uns und fragt aufgeregt ob 2 seiner Kameraden vor etwa 10 Minuten an uns vorbei gekommen seien.
Wir sagten ihm das gerade das Team aus Jugoslawien mit zweien gesprochen habe und diese eventuell noch an dessen Zelte waeren.
Voellig fertig erzaehlte er uns dann wie sich das Gebiet in kuerzester Zeit veraendert auf Grund der Schmelze - wie er in den Felsen hing und links und rechts neben ihm die Lawinen runterkamen. Das er die ganze Zeit nur Angst hatte und sich kaum bewegen konnte ….
Dann fiel ihm ein das ein weiterer Kamerad hinter ihm war welcher sich in einer noch schlechteren Verfassung befand.
Mittlerweile war es schon richtig Dunkel geworden und so hatte man mit Recht Grund zur Sorge - mit sich ueberschlagender Stimme fing er an nach seinem Freund zu rufen “PAAAABLOOOO” - “PAAAABLOOO”. Geradezu gespenstisch das ganze.
Es sollte noch einige Zeit und einige vereinte Brueller dauern bis auch endlich Pablo erschien.
Und diese verrueckten Hunde, so fertig wie die waren, sind doch wirklich weiter nach unten abgestiegen um Confluencia zu erreichen um Pablo medizienisch versorgen zu koennen.
Als wir am naechsten Tag unseren eigenen Abstieg unternahmen fragten wir uns an so einigen Stellen wie sie das in voelliger Dunkelheit und in ihrer Verfassung bewerkstelligen konnten.
Spaeter erfuhren wir dann das man von diesem Team schon seid 10 Tagen nichts mehr gehoert hatte und man einen Tag spaeter angefangen haette die Familien zu benachrichtigen “Leider wird ihr/e Mann/Sohn/Tochter/Frau seid .. vermisst und wir schliessen die Moeglichkeit nicht aus ……”.
Das Team bestand wohl aus unerfahrenden Leuten welche sich zu einem voellig falschen Zeitpunkt eine der schwirigsten Routen vornahmen.
Man hatte fuer sie nur Kopfschuetteln uebrig.
Genau wie fuer uns als wir stolz berichteten das wir uns Schmelzwasser der Gletscher gesammlt hatten um unseren Trinkwasservorrat aufzustocken.
Hatte uns doch die Bergwacht in Confluencia gesagt wir sollten die Teams oben fragen wo wir sauberes Wasser finden koennten.
So taten wir dann auch, oben fragten wir dann einen professionellen Kletterer welcher uns versicherte nur 15 Minuten weiter hoeher gaebe es sauberes Wasser - also machte sich Andrè am naechsten Morgen auf - kletterte auf dem Gletscher rum um dann das am sauberst erscheinende Wasser aufzufangen. Wir taten noch etwas Entkeimer hinein und so sollte es schon gehen.
Warum nun aber das Kopfschuetteln? Nun leider etwas spaet eroeffnete man uns nach unserer Rueckkehr das es wohl schlimmer sei wenn man Gletscherwasser zu sich nimmt als wenn man nichts trinkt auf Grund irgendwelcher Inhaltsstoffe die dem Koerper das Wasser entziehen.
Nun wir habens ueberlebt und sind um etwas Wissen reicher.
Etwas lustiges gabs noch spaeter in Punta del Inca - wir sassen in den Stuehlen eines Imbiss und warteten auf unseren Bus der uns nach Santiago bringen sollte - da stieg eine Reisegruppe aus dem dazugehoerenden Reisebus und die Reiseleiterin erzaehlte gross ausholend ihren schon etwas aelteren Anvertrauten ueber den Ort und die Gegend und den Aconcagua und - auf uns deutend - das die Leute mit den roten,sonnenverbrannten Nasen auf der Spitze waren.
Wer will so eine geschulte Reiseleiterin schon Luegen strafen.
So haben wir es also zu guter letzt doch tatsaechlich geschafft - in nur 3 Tagen haben wir den Gipfel des Aconcagua bezwungen - tja Reinhold was sagste nun :D.
Aconcagua panorama <---- Achtung Quicktime panorama !!
Autor: Raik - Kategorie: Argentinien
Kommentare sind zu diesem Thema nicht möglich.


















