18. Februar 2004

Ich glaub ich Chile

Aus der duennen Luft des Aconcagua direkt in den dichten Smog santiagos - Hauptstadt von Chile.
Das Schlimmste erwartend aufgrund der vielen Negativmeinungen zur Stadt aus einigen Reiseberichten,von anderen Travellern und allen Argentiniern (welche man aus der Wertung gleich wieder rausnehmen sollte da sich die ablehende Haltung auf ganz Chile bezieht - welche sich begruendet in der politischen Vergangenheit beider Laender) wagten wir unsere ersten Schritte durch santiago.
Jedoch aller Meinungen zum Trotz gefiel uns die Stadt. Bis vielleicht auf den dichten und Smog verursachenden Verkehr (welcher auf uns aber nicht so stressig wirkte wie der in der Innenstadt von Buenos Aires) faellt mir eigentlich gerade nichts ein was ein Negativimage rechtfertigen wuerde.
Die Stadt ist durchzogen mit Parks,2 Berge inmitten santiagos bieten einen erhoehten Blick ueber die Stadt (mit etwas Glueck erwischt man mal einen Smogfreien Tag so das man auch die Andenkette sehen kann) und alles in allem wirkt alles aufgeraeumt,sauber und modern.
Die einzigen die sich im ersten Moment noch unwohl fuehlten waren unsere Brieftaschen,denn die Preise in Chile haben im Gegensatz zu den Meisten anderen suedamerikanischen Laendern eher europaeische Masstaebe.

Kulturell hat die Stadt auch einiges zu bieten,allein im Kuenstlerviertel im Stadtteil Bellavista am Fusse des Cerro San Cristobal gibt es genug Moeglichkeiten viele Abende ungelangweilt zu verbringen.
Just dort verbrachten wir auch unseren EIGENTLICH letzten Abend in dieser Stadt. Doch inmitten eines entstehenden Chaos bestehend aus: Warten auf Livemusik,einem vom Restaurantpersonal gestellten Handtaschendieb, einem, aufgrund des (nun schon blutenden) gestellten Handtaschendiebs, zu spaet servierten Lomo (Filet) und der verspaeteten Feststellung das in santiago 4 Busterminals existieren ohne Ahnung welcher der unsrige sein koennte, verpassten wir unseren Bus der uns zu unserem naechsten Reiseziel innerhalb Chiles bringen sollte.
Und so ging es erst am naechsten Tag weiter - weiter nach Pucòn.



santiago

Nach 800 km Fahrt in Richtung Sueden kamen wir in Pucòn an.
Direkt am Busbahnhof machte man uns gleich guenstige Angebote fuer Unterkuenfte welche wir aber erstmal ausschlugen, da wir bereits von santiago aus etwas in einer von einer deutschen Familie gefuehrten Herberge gebucht hatten.
Der Hausherr holte uns mit seinem Pickup vom Terminal ab und fuhr uns zu seiner etwas ausserhalb (20 km von Pucòn) in einem Wald gelegenen Anlage.
Dort verweilten wir 2 Tage und verbrachten die Zeit mit kleinen Ausfluegen in die Waelder,zu Wasserfaellen und einem naechtlichen Thermalbad irgendwo in den Bergen.
In heissem,aus dem Berg quellendem Wasser sitzend die Sterne zu betrachten waehrend einen die Dunkelheit der Nacht umarmt - ich mochte es.

Nach den 2 Tagen entschlossen wir uns ,unsere schreienden Geldbuendelchen erhoerend, auf eins der Busterminalangebote einzugehen und in eine um einiges guenstigere Unterkunft direkt in Pucòn umzuziehen.
Das Pucòn-Zentrum besteht wie alle suedamerikanischen Touristenstaetdchen fast ausschliesslich aus Travel-Agencys,Hostels,Restaurants und Souveniershops, doch aufgrund seiner wunderbaren Lage an einem schoenen See samt Strand und kleinem Jachthafen und dem majestaetisch ueber alles trohnenden Vulkans Villarrica trotzdem ein schoener Ort zum verweilen.
Gerade der Vulkan hatte es uns angetahn war doch auch seine schneebedeckte,rauchende Spitze aus jedem Winkel der Stadt zu erblicken.

Wir mussten nicht lang ueberlegen den noch von der deutschen Herbergsfamilie stammenden Vorschlag aufzugreifen, einen Flug ueber den Vulkan zu buchen.
Vulkanueberfluege gehoeren dort nicht gerade zum normalen Tourieangebot aber gluecklicherweise kannten unsere deutschen Auswanderer jemanden der ab und zu solche Fluege unternahm und verhalfen uns zu einem Kontakt.
Und so fuhren wir also kurze Zeit spaeter mit einem ueber 80 jaehrigen,hauptberuflichen Taxifahrer und nun unser Pilot zum Flugplatz um uns die Sache mal von oben anzusehen.
Als unterschwellig Flugzeugbegeisterter biederte ich mich gleich aufdringlich an und half ihm sein einmotorisches Fluggeraet aus dem Hangar zu schieben und startklar zu machen, mein enorm wichtiger Part dabei war etwas unheldenhaft das finden von Kloetzern zum unter die Raeder schieben. Den Grund dafuer beichtete er mir auch gleich hatte doch die Batterie etwas zu wenig Energie und so musste er die Maschiene erst etwas im Stand laufen lassen.
Nach dem “Aufladen der Akkus” wurde es fuer mich aber dann doch noch etwas spannender - durfte ich doch nun die unter der laut grummelnden Maschiene liegenden Kloetzerchen wieder wegstossen :D, nach dem letzten Paar fing die Maschiene an leicht zu rollen und der Pilot hielt die rechte Tuer auf damit ich aufspringen kann - ich glaube waehrend ich mich aktionreich in das Flugzeug schwang erklang irgendwo die passende Indiana Jones Musik dazu :).
Nun rollten wir vor zum kleinen Terminal um Andrè und Carola abzuholen.
Als wir dann alle 4 endlich erwartungsvoll im 4-sitzigen Flieger sassen gab es ploetzlich weitere technische Probleme mit dem Funkgeraet und auch der etwas mau aussehende Kerosienstand blieb uns nicht verborgen.
Auf Grund der unloesbaren Konflikte mit dem Funkgeraet entschlossen sich Pilot und der mittlerweile zur Hilfe geeilte “Andere” das Fluggeraet mit einem Baugleichen, jedoch hoffentlich in besserer Verfassung befindlichen zu tauschen - unwillkuehrlich schob sich die Phrase “Vom Regen in die Traufe” in unser Hirn.
Im zweiten dann funktionierte aber das Funkgeraet,die Batterien waren geladen und die Tankanzeigen zeigten stolz maximum und so konnte es endlich losgehen.
Langsam,Meter um Meter schraubte sich Flugzeug nach oben um die fuer den Vulkanueberflug erforderlichen 10000 Fuss Hoehe zu erreichen.
Wahrend der Pilot etwas gegen den boehigen Wind kaempfte, genossen wir die einmalige Aussicht welche am Ende des Aufstiegs auch den dichten Ueberflug ueber den Krater des Vulkans beinhaltete. Einfach klasse !

Aber das wirkliche Highlight fuer mich sollte erst noch kommen - auf dem Rueckflug entschloss sich unser Taxifahrer aeh Pilot ploetzlich mich etwas fliegen zu lassen.
Er uebergab mir Steuerknueppel und Ruderpedale, kuemmerte sich selbst nur noch um die Schubsteuerung und so wurde fuer einen kleinen Computersimulationshobbypiloten ein Traum war.
15 Minuten lang kontrollierte ich die kleine Maschine - nie werde ich den Moment vergessen als ich das kleine Flugzeug aus einem Rechtsschwenk heraus wieder nach links lenkte, den Steuerknueppel etwas nach unten drueckend, um knapp unter einer kleinen Wolke hindurch zu tauchen. Eine Ueberdosis Glueckshormone durchflutete meinen Koerper. Waehren wir in dieser Zeit abgestuerzt haette ich auf dem Obduktionstisch eine huebsch grinsende Leiche abgegeben :D.
Zur Freude der anderen Insassen uebernahm dann aber das Landen selbst wieder unser erfahrender Pilot und so wurde alles gut.

In der Luft waren wir ja nun wirklich nah an den aktiven Vulkan Villarrica herangekommen - doch das war uns irgendwie noch nicht nah genug.
Wir beschlossen einen Spaziergang zu Fuss hoch zum Kraterrand (vielleicht faende sich ja auch noch der ein oder andere Ring der ins Magma geworfen werden muesste :) )
Da die Vulkanbesteigung nur mit entsprechender Ausruestung und mit Guide moeglich war mieteten wir uns in einer der zahlreichen Agencys ein und starteten etwas spaeter.
Der Aufstieg war steil und die ersten Gefaehrten mussten bald zurueckgelassen werden (wir sammelten Carola dann spaeter wieder ein) - ab der Schneegrenze wurde die Gefahr des Abrutschens groesser aber ausgeruestet mit Eispickel und versehen mit Know How fuers Bremsen in extremen Situationen zeigten wir keine Furcht :D.
Auch nicht als wir in die unendlich erscheinenden Tiefen einiger Gletscherspalten schauten, nur wussten wir von nun an den “Wie-man-bremst-Unterricht” etwas mehr zu schaetzen.
Nach einigen Stunden erreichten wir den Kraterrand - Andrè und ich machten uns gleich auf das Innere des Kraters genauer zu erforschen wurden aber jeh von Schwefelschwaden gestoppt die uns der Wind in die Lungen blies. (andere Agencys ruesteten ihre Kunden zusaetzlich mit Gasmasken aus - aeh unsere nicht)
Dem - und das ist nicht zuviel versprochen - ersticken nah, retteten wir uns auf etwas hoehere Lagen und atmeten gierig frische Luft. Ab jetzt waren wir etwas vorsichtiger und beobachteten geflissendlich die Windrichtung.
Ausser dem Blick ins Innere, der leider keinen Blick auf Magma freigab da diese zur Zeit nicht so hoch steht, wird einem noch ein wunderbarer Rundumblick ins Tal,erkaltete Magmastroeme vergangener Ausbrueche und auf weitere 7 Vulkane gewaehrt.
Einen Spassbonus gab es dann noch beim Abstieg - wurde einem doch gewaehrt auf dem Po sitzend den ganzen schneebedeckten Teil des Vulkans herabzurutschen.
Weiter oben gab es zu diesem Zweck schon kleine Bobbahnartige Furchen - welche allerdings nicht nur zur Belustigung der Touristen dienen sondern auch ein Sicherheitssystem darstellen im Falle der Vulkan beschliesst ploetzlich eine etwas groessere Aktivitaet an den Tag zu legen waehrend sich oben noch jemand befindet.
Zum Teufel mit dem ganzen Sicherheitsgeschwaetz,den Allerwertesten voran in die Furchen gestuerzt und los ging die wilde Fahrt - wer bremst verliert :D.
Wir lieferten uns ein Match mit unserem Guide an desem Ende seine Hose nur noch in Fetzen an seinem Hinterteil hing - zur Erleichterung aller hatte er aber noch eine weitere Hose drunter.
Irgendwann ging es Andrè und mir nicht mehr schnell genug und so holten wir uns jeder eine Plastiktuete aus dem Rucksack um unsere “5 Buchstaben” damit zu tunen.
Uneinholbar schossen wir davon.
Und um es mal endlich beim Namen zu nennen: Es war einfach ein Riesenspass den Vulkan auf dem Arsche sitzend runter zu rutschen. :D


Vulkan Villarrica

Etwas unfreiwillig letzte Station in Chile war Puerto Montt - eine kleinen Hafenstadt in der es mehr Schnapsleichen in den Strassen als Fische in der Bucht gibt.
Eigentlich war der Plan von hier aus mit einem Schiff 4 Tage lang weiter in Richtung Sueden zu fahren inklusive Abstecher in den rauhen Pazifischen Ozean.
Geruechte hatten uns zugetragen das direkt vor Ort Tickets fuer eine Ueberfahrt nach Puerto Natalis bereits fuer 80 Dollar zu haben sei.
Jedoch alles Travellergarn das guenstigste Vorortangebot belief sich auf 250 Dollar pro Person - fuer eine Koje auf einem 22-Mann Deck.
Zuviel fuer unsere Reisekasse - wir versuchten verzweifelt noch andere Angebote zu finden und fragten sogar auf einfachen Frachtern ob nicht noch ein paar Smutjes gebraucht wuerden aber nichts zu machen.
So mussten wir uns langsam Gedanken ueber eine Routenaenderung machen.
Waehrend der Suche nach Alternativen strandeten wir auch am Flughafen um uns einige Preise anzuschauen - auf dem Rueckweg dann trafen wir auf einen alten, deutschsprachigen, chilenischen Taxifahrer (Taxifahrer sind in Suedamerika so zahlreich das unweigerlich oefter welche in unseren Reiseberichten auftauchen) - welcher sich als “der wilde Willi” vorstellte - der uns von seiner seit 5 Generationen in Chile lebenden Familie erzaehlte - das die Stadt Puerto Montt von Deutschen gegruendet wurde - er selber noch nie in Deutschland war (echt komisch das von jemanden zu hoeren der fliessend Deutsch spricht) - er gab uns dann noch einen “heissen”, “kulturellen” Tip - ein deutsches “Bierfest 2004″ in einem nahegelegendem Oertchen.
Jedoch als wir dort an einem Sonntag eintraffen war man bereits dabei alles abzubauen - doch sprach uns gleich jemand an der uns mitteilte, auf deutsch natuerlich, das alles vorbei sei. Aber er verwies uns noch an einen Bierstand an dem wohl noch etwas Gebraeu zu haben sei.
Und tatsaechlich eine kleine Ansammlung Jungtrinker liess darauf schliessen das dort die Party noch nicht zu Ende ist.
Und so teilte uns dann auch einer der dort sitzenden Chilenen mit - in feinstem Bayrisch - das noch 30 Liter im Fass seien und die “weg” muessen.
Wie sich rausstellte hatte er eine Lehre in Deutschland als Metzger abgeschlossen um spaeter die grosse,ortsansaessige Fleischfabrik seines Vaters zu uebernehmen.
Wir wurden zum Bier eingeladen und bei soviel Gastfreunlichkeit und um keinen Kulturschock bei diesen traditionspflegenden Menschen auszuloesen brachte ich es einfach nicht uebers Herz das angebotene Freibier abzulehen und trank etwas gebrautes Oscarpreisverdaechtig als wenns mir schmeckt.
Kurz darauf verliessen wir als Businsassen Puerto Montt/Chile in Richtung Bariloche/Argentinien.

Autor: Raik - Kategorie: Chile

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